Kai Kuan
M&A · Sustainomics
„Was hilft diesem Target, das nächste halbe Jahr nicht in Term-Sheet-Theater zu verschwenden, sondern Unternehmenswert zu bauen?"
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Wissensraum · Interview · Teil 1 von 3
Wenn Term-Sheet-Verhandlungen Engineering-Zeit fressen: was das Simple Agreement for Future Equity ist, woher es kommt, für wen es passt — und worauf Investor:innen und Targets achten müssen.
Was dieses Gespräch Ihnen zeigt
Was SAFE als Finanzierungsvehikel leistet — und was nicht. Wann es für Tech-Gründer:innen und Frühphasen-Investor:innen die richtige Wahl ist, und wo unter deutschem oder schweizerischem Recht Anpassungsbedarf besteht.
Für wen ist SAFE?
Wenn Du Tech-Gründer:in in Pre-Seed oder Seed bist — und mehrere kleine Tickets zwischen 25 und 250 k€ parallel laufen, Engineering-Zeit besser ins Produkt fließt als in 3-Monats-Term-Sheets, und die Series A in 12–18 Monaten realistisch ist — dann ist SAFE Dein Werkzeug.
Nicht das Werkzeug: Wenn Investor:innen Gläubiger-Status wollen (Family Offices, Versicherungen), wenn Zinsertrag bilanziert werden muss, wenn die nächste Equity-Runde ernstlich unsicher ist — dann eher Convertible Note oder Wandeldarlehen.
Die fünf Learnings · in 30 Sekunden
Warum SAFE überhaupt entstanden ist
Der Trade-off: Was SAFE an Schnelligkeit und Eleganz gewinnt, geben Investor:innen an Schutz auf. Wer Gläubiger-Status oder Zinsertrag braucht, ist bei Convertible Note oder Wandeldarlehen besser aufgehoben.
Frage
Lieber Kai, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst. Magst Du zum Einstieg kurz sagen, wer Du bist und was Sustainomics macht?
Kai Kuan: Ich bin Strategie- und M&A-Berater bei Sustainomics. Wir arbeiten überwiegend an Transaktionsfinanzierung und Buy/Sell-Side-Beratung, mit einem Schwerpunkt im Asia-Europa-Korridor. Ein wachsender Teil unseres Portfolios sind Frühphasen-Konstellationen — Tech-Startups, die zwischen erster Validierung und Series A stehen und sich fragen, wie sie die nächsten zwölf Monate finanziell aufstellen, ohne die kommenden sechs Monate in Term-Sheet-Verhandlungen zu verlieren. Ich begleite Gründer:innen genau in dieser Phase, und ich begleite Investor:innen, die in dieser Phase investieren.
Frage
Lass uns zum Thema kommen. Was ist SAFE — in einem Satz, und dann in drei?
Kai Kuan
In einem Satz: SAFE ist ein Vertrag, der Geld jetzt gegen Equity später tauscht — ohne dass dazwischen ein Darlehensverhältnis steht.
In drei Sätzen: SAFE steht für „Simple Agreement for Future Equity“. Der Investor zahlt heute eine Summe ein und bekommt dafür ein Recht, bei der nächsten Equity-Finanzierung in Anteile zu wandeln — typischerweise mit einem Discount, einem Valuation Cap oder beidem. Was es ist: ein vertragliches Recht auf zukünftige Equity, ausgestaltet als schuldrechtlicher Vorvertrag (also rechtlich verbindlich, vom Vertrag her). Was es nicht ist: ein Darlehen mit Rückzahlungsanspruch, eine Wandelschuldverschreibung mit Zins, ein Beteiligungsvertrag mit sofortigen Anteilen. Diese Unterscheidung — vertraglich verbindlich, aber kein Darlehen — ist die Substanz von SAFE.
Frage
Wo wurde SAFE entwickelt — und warum?
Kai Kuan
SAFE wurde 2013 von Y Combinator entwickelt — die Beratungsanwältin Carolynn Levy hat es mitgeschrieben. Hintergrund war die Beobachtung, dass Convertible Notes — also Wandeldarlehen US-amerikanischer Prägung — bei Pre-Seed- und Seed-Investments zu schwerfällig waren. Zinslauf, Endfälligkeitsdatum, Repayment-Risiko, intensive Verhandlung jedes einzelnen Term-Sheets. Y Combinator hat sich gefragt: Was, wenn man die Substanz behält — Geld jetzt gegen Equity später — und alles andere weglässt?
2018 gab es ein Update zum sogenannten Post-Money-SAFE. Der wichtigste Unterschied: Beim Post-Money-SAFE ist von Anfang an klar, wie viel Verwässerung der Gründer durch alle ausstehenden SAFEs trägt — der Investor weiß seinen genauen Anteil, der Gründer auch. Das ist heute der Standard.
Frage
Was ist anders als bei einer Convertible Note oder einem klassischen deutschen Wandeldarlehen?
Kai Kuan
Drei Unterschiede sind zentral:
Erstens — kein Darlehensverhältnis. Eine Convertible Note ist ein Darlehen: der Gründer schuldet dem Investor das Geld, mit Zins, mit Endfälligkeit. Im Insolvenzfall ist der Convertible-Investor Darlehensgläubiger. Beim SAFE ist der Investor kein Darlehensgläubiger — er hat zwar schuldrechtliche Ansprüche aus dem SAFE (auf die vertraglich vorgesehene Beteiligung bzw. Abwicklung beim Trigger-Ereignis) und ist insoweit Gläubiger dieses Anspruchs, aber kein gewöhnliches Rückzahlungsrecht wie beim Wandeldarlehen. Das verändert das Risikoprofil komplett.
Zweitens — kein Maturity-Date. Ein Wandeldarlehen hat ein Endfälligkeitsdatum. Wenn keine Equity-Runde kommt, muss verhandelt werden: Verlängerung, Wandlung zu Notlösungs-Konditionen, oder Rückzahlung. SAFE kennt diesen Stress nicht. Es bleibt offen, bis die nächste Runde kommt — auch wenn das zwei Jahre dauert.
Drittens — kein Zinslauf. Convertibles in Deutschland und der Schweiz haben üblicherweise einen Zinssatz zwischen 4 und 8 Prozent, der bei Wandlung mitberücksichtigt wird. SAFE hat keinen Zins. Das ist juristisch elegant und erspart die steuerliche Behandlung des Zinsanteils — bringt aber für den Investor weniger Pufferung, wenn die Wandlung sich verzögert.
*Insolvenzfall: „Anwartschaft" beschreibt die Position eines nicht gewandelten SAFE nur unvollständig. Entscheidend sind die konkreten vertraglichen Ansprüche bei Liquidation/Insolvenz und deren Rang — ein nicht gewandelter SAFE vermittelt nicht automatisch eine gesicherte künftige Equity-Position. Das ist einzelfallabhängig zu prüfen.
SAFE tauscht Geld gegen Equity-Anwartschaft — nicht Geld gegen Schuld. Wer das versteht, versteht auch, warum es schneller geht: es gibt schlicht weniger Verhandlungsmasse.
Frage
Wer macht SAFE — auf Investorenseite und auf Target-Seite? Wer benutzt es typischerweise?
Kai Kuan
Investor:innen-Seite — zwei klare Cluster:
Erstens Pre-Seed- und Seed-VCs aus dem US-Ökosystem oder mit US-Vorlagen. Sie kommen mit einem standardisierten SAFE-Vertrag in das Gespräch und verhandeln im Wesentlichen drei Punkte: Investitionssumme, Valuation Cap, Discount. Der Rest ist Vorlage.
Zweitens Business Angels und Strategic Angels — also operative Manager:innen, die in ein Frühphasen-Startup investieren, weil sie das Team kennen oder die Domain. Für sie ist SAFE attraktiv, weil sie nicht erst eine Convertible-Note-Vorlage prüfen lassen müssen.
Target-Seite — also Startups, die SAFE annehmen — sind typischerweise Tech-fokussierte Pre-Seed- und Seed-Stage-Unternehmen. Häufig solche, die mit Y-Combinator-Vorlagen aufgewachsen sind. In Europa zunehmend auch Deep-Tech und KI-Startups, weil deren Investor:innen oft aus dem US-Umfeld kommen.
Was wir weniger sehen: SAFE bei Series-A-Runden, bei Wachstumsfinanzierung über zehn Millionen, oder in stark regulierten Branchen wie Banken und Versicherungen. Da kommen klassische Beteiligungsverträge zum Tragen.
Frage
Für wen ist SAFE besonders interessant?
Kai Kuan
Aus meiner Beratungspraxis drei klare Konstellationen:
Engineering-Zeit ist bares Geld. Jeder Tag in Term-Sheet-Verhandlung ist ein Tag nicht im Produkt.
6–12 Monate Runway, ohne die Bewertung jetzt schon final festzuzurren. Cap/Discount verschieben die Bewertungs-Frage auf die Series A.
Fünf Angels mit je 50–100 k€ — SAFE mit MFN-Klausel statt fünf parallele Convertible-Verhandlungen.
SAFE ist ein Werkzeug für Schnelligkeit und Standardisierung — nicht für komplexe Verhandlungen. Wenn jeder Term verhandelt werden soll, ist SAFE das falsche Vehikel.
Gegenfrage
Gibt es Konstellationen, in denen Convertible Note tatsächlich die bessere Wahl ist als SAFE — auch unter deutschem oder Schweizer Recht?
Kai Kuan
Aus meiner Praxis drei klare Fälle, in denen ich aktiv von SAFE abrate:
Erstens — wenn der Investor Gläubiger-Status will. Family Offices und konservative Pre-Seed-Investor:innen verlangen manchmal ausdrücklich die Position als Gläubiger im Insolvenzfall. SAFE bietet sie nicht. Wandeldarlehen oder Convertible Note schon.
Zweitens — wenn der Investor Zinsertrag bilanzieren muss. Versicherungen, Pensionskassen und manche Family Offices brauchen den Zinslauf für ihre Konjunkturmodelle und Bilanzdarstellung. SAFE hat keinen Zins. Das ist für die Bilanz dieser Akteure ein Problem, nicht ein Feature.
Drittens — wenn die nächste Equity-Runde unsicher ist. Wenn eine Series A ernstlich fraglich ist — z.B. weil die Marktphase schwierig ist oder das Team noch sehr früh dran ist — dann gibt das Endfälligkeitsdatum der Convertible Note dem Investor einen Ausstiegs-Hebel via Rückzahlung. (Eine harte Prozentschwelle gibt es dafür nicht; die Wahl hängt zusätzlich von Finanzierungszeitpunkt, Liquiditätsbedarf, Insolvenzrang, Steuer- und Bilanzbehandlung und Verhandlungsmacht ab.) SAFE bleibt offen, bis irgendwann irgendwas passiert — und das ist bei stockenden Verläufen schmerzhaft.
Die einfache Frage zur Vehikel-Wahl: „Wie sicher sind die Beteiligten, dass eine Equity-Runde kommt?“ — sicher: SAFE. Unsicher: Convertible mit Endfälligkeit. Investor will Gläubiger-Status oder Zinsertrag: Convertible oder Wandeldarlehen.
Frage
Ist SAFE in Europa ein Trend? Und wenn ja, warum?
Kai Kuan
Aus meiner Erfahrung in den letzten 18 Monaten: ja, mit Vorbehalten.
Was ich beobachte — kein Marktreport, einfach was über meinen Schreibtisch geht: SAFE-Anfragen kommen häufiger, gerade von Tech-Startups mit US-Investor:innen oder mit US-Vorbild im Gründerteam. In Deutschland und der Schweiz ist die Adoption noch nicht durchgängig, aber sie wächst.
Drei Gründe, warum ich vermute, dass die Bewegung anhält:
Erstens — VC-Ökonomik. Pre-Seed- und Seed-Tickets werden kleiner und zahlreicher. Das alte Modell „eine Convertible-Note pro Investor mit individuellem Term-Sheet“ skaliert nicht mehr. SAFE ist standardisiert genug, um zwanzig Tickets parallel zu fahren.
Zweitens — Engineering-Kosten. Gründer:innen werden teurer. Engineering-Zeit, die in Investor-Verhandlungen geht, ist Engineering-Zeit, die nicht ins Produkt geht. Das wird stärker beachtet als noch vor fünf Jahren.
Drittens — kulturelle Anpassung. Die zweite Generation europäischer Gründer:innen hat in den USA gearbeitet oder mit US-Investor:innen zu tun gehabt. Sie kommen mit der Erwartung, dass SAFE eine Option ist. Das verändert die Standard-Anforderung an die hiesigen Beratungsteams.
Ich würde nicht von einem überschäumenden Trend sprechen — eher von einer langsamen, stabilen Verschiebung. Aber sie ist da.
Frage
Was hat ein Target — also ein Startup — zu beachten, das sich für SAFE interessiert?
Kai Kuan
Sechs Punkte, die ich in jedem ersten Gespräch prüfen lasse:
Bewertung
Discount = Preisnachlass auf nächste Bewertung (typ. 15–25 %). Cap = Höchstgrenze. Meist beides; gewandelt zum für den Investor günstigeren Modus.
Wandlungs-Mechanik
Was passiert, wenn die nächste Runde unter dem Cap kommt? Wenn das Unternehmen vor der Wandlung verkauft wird? Die Standardklauseln müssen verstanden sein.
Folgerunden-Schutz
Recht, in der nächsten Equity-Runde mitzuziehen, um den prozentualen Anteil zu halten. Nicht in jedem SAFE drin. Bei 5 parallelen Pro-Rata-SAFEs wird die Series-A schnell eng.
Konditions-Disziplin
Most Favoured Nation: je nach Klausel kann der Investor verlangen oder wählen, dass bestimmte günstigere Konditionen späterer SAFEs übernommen werden (nicht jede MFN wirkt automatisch auf alle). Schutz für frühe Investor:innen — Disziplin für Gründer:innen.
DE/CH-Anpassung
US-Standard-SAFE setzt Delaware C-Corp voraus. Bei GmbH, UG oder AG braucht es Anpassung — Wandlung in Geschäftsanteile ist nicht plug-and-play.
Steuer
In US-Recht meist als Equity-Anwartschaft behandelt (auch dort abhängig von der konkreten Fassung, dem Emittenten und dem Rechnungslegungsstandard). In DE/CH weniger eindeutig. Steuerliche Vorab-Klärung vor der ersten Unterschrift, nicht nach der zehnten.
Das US-SAFE-Template ist Open Source. Das bedeutet nicht, dass es ohne Anpassung in Deutschland oder der Schweiz funktioniert. Wer einfach unterschreibt, übersieht typischerweise drei bis fünf Stellen, die später Reibung erzeugen.
Frage
Bleiben wir kurz beim Punkt fünf — das ist der, an dem viele scheitern. Wie ordnet sich SAFE eigentlich in das deutsche Gesellschaftsrecht ein? Funktioniert es bei einer GmbH? Bei einer AG? Wie genau?
Kai Kuan
Aus M&A-Praxis-Sicht: Der SAFE-Vertrag selbst ist formfrei abschließbar — da gibt es im deutschen Recht keine Hürde. Die Reibung liegt nicht im Vertrag, sie liegt in der Wandlung. Und die ist je nach Rechtsform sehr unterschiedlich. Aber die juristische Detailtiefe ist Nicoles Domäne.
Nicole Battistini-Kohler
Der SAFE als Vertrag ist im deutschen Recht ein atypischer Wandlungsvertrag — schuldrechtlich, im Grundsatz formlos. Kein Darlehen im Sinne der §§ 488 ff BGB, keine klassische Wandelschuldverschreibung im Sinne des AktG. Die Substanz: ein Vorvertrag auf zukünftige Equity-Beteiligung mit Wandlungs-Verpflichtung. Formfrei ist das aber nicht pauschal: Soweit die Verpflichtung bereits auf den Erwerb oder die Übertragung von GmbH-Geschäftsanteilen gerichtet ist, kann sie nach § 15 Abs. 4 GmbHG der notariellen Form bedürfen — das hängt von der konkreten Vertragsgestaltung und gesellschaftsrechtlichen Umsetzung ab und ist im Einzelfall zu prüfen.
Komplex wird es bei der Wandlung — und die Komplexität hängt von der Rechtsform ab.
Rechtsform A
Jede Wandlung ist notarpflichtig — keine instant conversion möglich.
Rechtsform B
Einmal Kapital-Setup vorab — danach läuft jede Wandlung schnell.
SAFE funktioniert in beiden Rechtsformen. Bei der GmbH ist jede Wandlung notarpflichtig — Folge: Wandlung mit der nächsten Equity-Runde bündeln. Bei der AG ein passendes Vorratsinstrument vorab einrichten (DE: bedingtes/genehmigtes Kapital; CH: bedingtes Kapital/Kapitalband) — dann läuft jede Wandlung schneller.
Was bei einer SAFE-Strukturierung unter Schweizer Recht zusätzlich zu beachten ist — in DE-CH-Konstellationen ist die Asymmetrie häufig die teuerste Stelle, wenn sie nicht vorab geklärt ist.
Im Schweizer OR im Grundsatz als Innominatvertrag (Art. 19 OR) formlos möglich; Schriftform ist zweckmässig. Der SAFE-Vertrag selbst bedarf keiner öffentlichen Beurkundung — die spätere Kapitalerhöhung und Anteilsausgabe aber sehr wohl (siehe unten). Die konkrete Ausgestaltung ist vorab auf Form- und Einheitlichkeitsrisiken zu prüfen.
Kapitalerhöhung der AG nach Art. 650 ff OR ist öffentlich zu beurkunden. Als Vorratsinstrumente kommen das bedingte Kapital (Art. 653 ff OR) und — seit der Aktienrechtsrevision (in Kraft seit 1.1.2023) insbesondere — das Kapitalband (Art. 653s ff OR) in Betracht; das frühere „genehmigte Kapital" wurde durch das Kapitalband abgelöst. Vorab einrichten, dann schnelle Wandlung.
Bei öffentlicher oder breiter Investorenansprache sind die Prospektpflichten nach FIDLEG/FinSA zu prüfen (mit gesetzlichen Ausnahmen nach Art und Umfang des Angebots). Bei Pool-, Syndikats- oder Treuhandstrukturen ist zusätzlich abzuklären, ob eine kollektivanlagerechtlich relevante Struktur (KAG/KKV) entsteht — das hängt von Fremdverwaltung, gemeinschaftlicher Anlage und Vermögenspooling ab. Eine allgemeine Anlegerzahl als alleinige Schwelle gibt es nicht.
Bei der entgeltlichen Ausgabe oder Erhöhung schweizerischer Beteiligungsrechte gilt grundsätzlich eine Emissionsabgabe von 1 % auf den Wert der ausgegebenen Beteiligungsrechte, wobei für Gründung und Kapitalerhöhungen ein Freibetrag von insgesamt CHF 1 Mio besteht. Bei der Wandlung von Multi-SAFE-Stacks — wenn der Freibetrag ausgeschöpft ist — einplanen.
Ob Verrechnungssteuerfolgen entstehen, ist anhand der konkreten Ausgestaltung zu prüfen (Rückzahlungs-, Vergütungs-, Discount-, Liquidations- und Wandlungsmechanismen). Eine pauschale steuerliche Qualifikation des SAFE oder seiner Wandlung ist nicht belastbar. Auch die Frage, ob ein Kapitalgewinn bei privaten Investor:innen steuerfrei bleibt, hängt von der Abgrenzung gewerblich/privat ab (sauber dokumentieren).
FL-AG oder FL-Anstalt werden gelegentlich für Schweizer Tech-Startups gewählt — geringere Stempelsteuer-Last, EU-Marktzugang über EWR. Steuerliche Vorabklärung mit dem Schweizer Wohnsitz-Kanton zwingend, sonst droht Nicht-Anerkennung der Substanz.
§ 5 Abs. 4, § 19 Abs. 4 GmbHG · § 27 AktG
Wird der SAFE-Betrag lange vor der Kapitalerhöhung eingezahlt und die Forderung dann in die Runde eingebracht, kann eine verdeckte Sacheinlage im Raum stehen (mit Wirksamkeits-Folgen für die Anteilsausgabe und möglicher Differenzhaftung). Eine gesetzliche „> 12-Monats"-Grenze gibt es dafür nicht; die Zeitspanne ist allenfalls ein Indiz im Gesamtbild. Sauber zu trennen sind Forderungs-Werthaltigkeit, Ausgabebetrag, Agio und Wandlungsmechanik.
§ 9 GmbHG · § 27 Abs. 3 AktG
Bei nicht ordnungsgemäßer Bewertung der einzulegenden Forderung haftet der einlegende Investor für die Differenz zur tatsächlichen Werthaltigkeit. Niedriger Cap + hohe Series-A-Bewertung → Werthaltigkeit muss dokumentiert sein.
HGB · EStG · KStG
Die bilanzielle Einordnung hängt vom Rechnungslegungsstandard (HGB, Swiss GAAP FER, IFRS) und den konkreten Vertragsrechten ab — Rückzahlungspflichten, Liquidationsrechte, feste vs. variable Wandlungsmechanik. Je nach Ausgestaltung kommt eine Fremdkapital-, Eigenkapital- oder Zwischenqualifikation in Betracht; eine pauschale Einordnung als „Mezzanine-Verbindlichkeit" trägt nicht. Vor mehreren Ausgaben Vorabklärung mit dem Steuerberater/Wirtschaftsprüfer.
Praktisch heißt das: SAFE ist im deutschen Gesellschaftsrecht möglich, nicht „verboten“ — aber nicht plug-and-play wie in den USA. Die Schnittstelle zwischen schuldrechtlichem SAFE-Vertrag und gesellschaftsrechtlicher Umsetzung der Wandlung muss vor der ersten Unterschrift durchdacht sein. Wer den ersten SAFE unterschreibt, ohne mit dem Anwalt die Wandlungs-Mechanik durchgespielt zu haben, baut sich eine teure Series-A-Reibung ein.
Illustrativer Praxis-Fall · anonymisiert
2023, Tech-Startup München, 15 Mitarbeitende, AI-fokussierter SaaS. Acht SAFEs in 14 Monaten ausgegeben — vier davon an Business Angels (EUR 50–150k Tickets), vier an einen Pre-Seed-Fonds mit US-Vorlage. Caps zwischen 4 und 8 Mio EUR, Discounts zwischen 10 und 25 %. Keine MFN-Klausel, keine konsolidierte Vertragsvorlage, jeder SAFE ein bisschen anders verhandelt.
Series A im Herbst 2024 angesetzt: Pre-Money 12 Mio EUR. Bei der Cap-Tabellen-Übung zur SPA-Vorbereitung zeigte sich:
Resultat: 4 Monate Verzögerung, ca. EUR 280k Anwaltskosten für rückwirkende Vertragsanpassungen, zwei vergrätzte Frühinvestor:innen (eine davon strich Pro-Rata-Ticket in der Series A), und eine schlechtere Series-A-Bewertung als die Marktopportunität tatsächlich hergegeben hätte — weil das Closing zur falschen Zeit kam.
Frage
Und was haben Investor:innen zu beachten — gerade die, die zum ersten Mal SAFE machen?
Kai Kuan
Vier Punkte, die ich Investor:innen in der Vorbereitung mitgebe:
Was Sie kaufen
Ein SAFE ist kein Anteil — ein Recht auf einen zukünftigen Anteil. Bis zur Wandlung: kein Stimmrecht, kein Eintrag im Handelsregister, kein Dividenden-Anspruch.
Verwässerung
10 SAFEs mit verschiedenen Caps und Discounts → Verwässerung in der Series A, die niemand vorab klar hatte. Als Series-A-Lead immer eine vollständige SAFE-Cap-Tabelle verlangen.
Reporting
Standard-SAFEs enthalten keine Information Rights. Wer Quartalsberichte, Audits oder Board-Protokolle will, muss das ergänzen — manche SAFEs haben ein Side Letter, andere nicht.
Down-Round-Schutz
Standard-SAFEs haben keinen Anti-Dilution-Schutz. Bei einer echten Down-Round steht der SAFE-Investor schlechter als ein Convertible-Investor mit Full-Ratchet.
Frage
Wo finden und treffen sich Investor:innen und Targets, die mit SAFE arbeiten wollen?
Kai Kuan
Drei klassische Wege — und einer, der unterschätzt wird.
Weg 01 · Plattformen
Y Combinator, AngelList, EquityZen für US-Konstellationen. In Europa Companisto, Seedrs, spezialisierte Pre-Seed-Plattformen. SAFE ist hier oft die Standard-Vorlage.
Weg 02 · Events
Tech-Inkubatoren und Acceleratoren in Berlin, München, Zürich, Wien. Viele setzen mittlerweile SAFE als Standard ein — ihre Investorenpools arbeiten schneller mit standardisierten Vorlagen.
Weg 03 · VC-Netzwerke
Die meisten europäischen Pre-Seed-Fonds haben SAFE als Default-Option im Term-Sheet. Die Wahl SAFE vs. Convertible ist heute eine kurze Frage — keine lange Verhandlung.
Weg 04 · unterschätzt
Sustainomics oder spezialisierte Anwaltskanzleien als dritte, neutrale Stimme. Wir ordnen das Vehikel ein und führen die Detail-Verhandlungen in 2–4 Wochen statt 3 Monaten — damit das Target nicht das halbe Jahr im Term-Sheet-Theater verbringt.
Frage
Was würdest Du Gründer:innen am Schluss mitgeben — die jetzt überlegen, ob SAFE für sie passt?
Kai Kuan
Zwei Sätze.
Erster Satz
„SAFE ist ein Werkzeug, nicht eine Lösung."
Wenn Sie wissen, warum Sie es einsetzen — Schnelligkeit, Standardisierung, mehrere kleine Tickets — passt es. Wenn Sie es einsetzen, weil es modern klingt — passt es nicht.
Zweiter Satz
„Wer den ersten SAFE unterschreibt, prägt die nächsten zehn."
Die ersten Konditionen werden über die MFN-Klausel zum Standard für alle folgenden Investor:innen. Was beim ersten Vertrag großzügig wirkt, wird beim achten zur Belastung. Sechs Stunden Vorbereitung am ersten Vertrag sparen sechzig Stunden Reibung über die nächste Runde.
Vielen Dank für Deine Zeit, lieber Kai!
Werkzeug · Interaktiv
Geben Sie Ihre Eckdaten ein — das Tool zeigt Ihnen sofort, was bei der nächsten Equity-Runde mit der Cap-Tabelle passiert: den günstigeren Wandlungs-Pfad (Cap oder Discount) und die Anteile nach dem neuen Series-A-Geld. Post-Money-SAFE als Standard; der Cap wird als Post-Money-Cap gelesen. Eine gleichzeitige Optionspool-Aufstockung ist hier nicht modelliert — sie würde SAFE- und Gründeranteil zusätzlich verwässern. Alle Berechnungen laufen nur in Ihrem Browser, keine Daten werden übertragen.
Vereinfachte Modellierung: Pre-Round-Founder-Anteil = 100 %. Bei mehreren parallelen SAFEs, ESOP-Pool oder Bestand-Vorzugsaktien weicht die Mathematik ab — dann lohnt eine individuelle Cap-Table-Rechnung.
Das US-SAFE-Template ist Open Source — aber unter deutschem und schweizerischem Recht braucht es Anpassung in mindestens drei Dimensionen: gesellschaftsrechtlich (Wandlung in Geschäftsanteile), steuerlich (Behandlung der Anwartschaft) und regulatorisch (KAGB / KKV / FinSA bei größeren Investor:innenkreisen). Wer SAFE nutzt, wählt eine Struktur — keine Kurzform. Investor:innen sollten fragen:
Der typische Discount (15–25 Prozent) und der typische Cap haben in Kombination unterschiedliche Wirkungen je nach Bewertungs-Verlauf der nächsten Equity-Runde. Bei einer Up-Round wirkt der Cap stärker; bei einer Down-Round schützt er weniger als gedacht. Beides muss vor der Unterschrift in einem Cap-Table-Modell durchgerechnet werden — in mindestens drei Bewertungs-Szenarien. Investor:innen sollten fragen:
Most Favoured Nation schützt frühe Investor:innen davor, dass spätere SAFEs zu günstigeren Konditionen ausgegeben werden, ohne dass alle bisherigen mitgebessert werden. Aber MFN macht das Cap-Tabellen-Management komplex: bei zehn SAFEs mit MFN ist jeder neue Vertrag potentiell ein Reset für alle bestehenden. Wer als Investor:in einen SAFE ohne MFN unterschreibt, verzichtet auf Schutz; wer als Gründer:in MFN auf alle SAFEs setzt, bindet sich an einen Standard. Investor:innen sollten fragen:
Im US-Standard-SAFE sind Pro-Rata-Rights (Beteiligung in der nächsten Runde zur Anteilshaltung) und Information-Rights (Berichte, Audits) nicht automatisch enthalten. Wer als Investor:in beide will, braucht ein Side Letter oder eine Vertragsergänzung. Andernfalls ist der SAFE-Investor in der Series-A-Runde derjenige ohne Beteiligungsrecht — und ohne laufende Information. Investor:innen sollten fragen:
Wenn das Target ein Tech-Startup unter AI Act, DORA, NIS2 oder vergleichbarer EU-Regulierung ist, kann eine ungelöste regulatorische Frage die nächste Equity-Runde verzögern oder den Cap-Effekt aushebeln. Reg-Risiko ist nie im SAFE-Vertrag formuliert — aber es ist ein impliziter Bewertungs-Faktor für die Equity-Runde, in der gewandelt wird. Wer als Investor:in in regulierte Tech-Startups mit SAFE einsteigt, sollte den Reg-Status separat prüfen. Investor:innen sollten fragen:
Diese fünf Perspektiven helfen Investor:innen, SAFE nicht als modisches Frühphasen-Vehikel, sondern als Strukturentscheidung zu verstehen. SAFE ist schnell — und genau deshalb ist die Vorbereitung der ersten Vertrags-Konfiguration entscheidend. Was beim ersten Vertrag schlüssig wirkt, wird beim achten zum Standard.
SAFE ist Werkzeug, nicht Lösung. Wenn Sie Ihre konkrete Konstellation durchsprechen wollen — Vehikel-Wahl, Mechanik, Anpassung an deutsches oder Schweizer Recht — haben Sie zwei Wege.
SAFE-Audit · konkretes Angebot
Kostenfrei für die ersten fünf Anfragen pro Quartal. Vertraulich, unter NDA wenn gewünscht. Wir prüfen schuldrechtliche Wandlungs-Mechanik, Cap-Tabellen-Effekt, gesellschafts- und steuerrechtliche Schnittstelle — und benennen die fünf Stellen, an denen die teuerste Reibung entsteht.
M&A · Sustainomics
„Was hilft diesem Target, das nächste halbe Jahr nicht in Term-Sheet-Theater zu verschwenden, sondern Unternehmenswert zu bauen?"
30-Min-Vorgespräch buchen →kai.kuan@sustainomics.com
Recht · NBK Legal
„Wer den ersten SAFE unterschreibt, ohne mit dem Anwalt die Wandlungs-Mechanik durchgespielt zu haben, baut sich eine teure Series-A-Reibung ein."
Wandlung durchspielen →nicole@nbklegal.online
Eine Frage an Sie
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Die zentralen Begriffe aus dem Interview, kurz gefasst.
Cap (Valuation Cap)
Höchstgrenze, zu der der SAFE bei der nächsten Equity-Runde gewandelt wird — egal wie hoch die tatsächliche Bewertung ausfällt.
Discount
Preisnachlass auf den Anteilspreis der nächsten Equity-Runde, üblich 15–25 %. SAFE-Investor erhält Anteile günstiger als Series-A-Investor.
Pre-Money vs. Post-Money SAFE
Pre-Money (2013): Cap auf Pre-Money der Series A. Post-Money (2018, heute Standard): Cap definiert Anteil unmittelbar nach SAFE-Wandlung — klarer für beide Seiten.
MFN-Klausel
Most Favoured Nation. Je nach Ausgestaltung der Klausel können bestimmte günstigere Konditionen späterer SAFEs auf frühere übernommen werden — teils automatisch, teils auf Verlangen/nach Wahl des Investors. Schutz für frühe Investor:innen, Disziplin für Gründer:innen.
Pro-Rata-Right
Recht des SAFE-Investors, in der nächsten Equity-Runde proportional mitzuziehen. Nicht in jedem Standard-SAFE enthalten — muss aktiv vereinbart werden.
Anti-Dilution-Schutz
Klausel, die den Anteil bei einer Down-Round teilweise schützt (Full-Ratchet oder Weighted-Average). In Standard-SAFEs nicht enthalten.
Verdeckte Sacheinlage
Rechtsfigur des deutschen Gesellschaftsrechts (§ 19 Abs. 4 GmbHG). Bei nicht ordnungsgemäßer Einbringung gilt eine Forderung als nicht wirksam erbracht.
Differenzhaftung
Haftung des Investors für die Differenz zwischen dem nominell angesetzten Wert der Forderung und dem tatsächlichen Wert (§ 9 GmbHG, § 27 Abs. 3 AktG).
Bedingtes / Genehmigtes Kapital
AG-spezifische Kapital-Vehikel (§§ 192/202 AktG). Vorab eingerichtet, ermöglichen sie schnelle Kapitalerhöhungen ohne erneuten HV-Beschluss — ideal für SAFE-Wandlungen.
Liquidation Preference
Erlös-Vorrang bei Exit. In DE meist 1× non-participating; in US häufiger mit Multiplikator und kumulativ.
Anhang
Zwei Übersichten: die typischen Finanzierungsformen unter deutschem Recht — und die US-Konstrukte, die sich nicht 1:1 übertragen lassen. Bewusst kompakt; jede einzelne Form hätte einen eigenen Deep Dive verdient.
Direkter Anteils-Erwerb. Bei GmbH und AG die Hauptformen; Genussrechte und stille Beteiligung als hybride Zwischenstufen.
| Form | Rechtsgrundlage | Frühphasen-Eignung & Charakter |
|---|---|---|
| GmbH-Geschäftsanteil | §§ 14 ff, 53, 55 GmbHG | Standard-Equity. Erwerb + Wandlung notarpflichtig. Hoch-relevant Pre-Seed bis Series B. |
| UG (haftungsbeschränkt) | § 5a GmbHG | GmbH-Variante mit niedrigem Mindestkapital. Identisches Regime, oft Pre-Seed-Wahl. |
| AG-Aktien | §§ 1 ff AktG | Aktien als Equity-Vehikel. Pre-Seed selten (höhere Kosten); Series A+, vor IPO Standard. |
| Stille Beteiligung (typisch) | §§ 230–236 HGB | Reine Gewinnbeteiligung, keine Mitsprache. Quasi-Debt im Außen, formfrei. |
| Stille Beteiligung (atypisch) | §§ 230 ff HGB + Gestaltung | Mit Verlustbeteiligung und Vermögenszuwachs-Anteil. Quasi-Equity steuerlich. |
| Genussrechte | vertraglich (keine Spezialnorm) | Hybride Form. Frei gestaltbar zwischen Equity- und Debt-nah. Mezzanine-typisch. |
Wie eine bestehende Gesellschaft neue Anteile schafft. Bei AG fünf gesetzlich kodifizierte Formen, bei GmbH ein einfacheres Regime.
| Form | Rechtsgrundlage | Anwendung |
|---|---|---|
| Ordentliche Kapitalerhöhung (AG) | §§ 182–191 AktG | HV-Beschluss + Notar pro Runde. Standard für jede Equity-Finanzierung. |
| Genehmigtes Kapital (AG) | §§ 202–206 AktG | Vorstand mit Aufsichtsrats-Zustimmung, max. 5 Jahre. Schnelle Folge-Runden. |
| Bedingtes Kapital (AG) | §§ 192–201 AktG | Speziell für Wandlungs- und Optionsrechte. SAFE / Wandelschuldverschreibungen. |
| Sachkapitalerhöhung (AG / GmbH) | § 183 AktG · § 56 GmbHG | Einlage in Sachen oder Forderungen. Werthaltigkeitsprüfung. M&A, Forderungseinlage. |
| Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln | §§ 207–220 AktG | Umwandlung von Rücklagen in Grundkapital. Strukturmaßnahme, keine neue Kapitalzufuhr. |
| Kapitalerhöhung GmbH | §§ 55–57 GmbHG | Gesellschafterversammlungs-Beschluss + Notar + Handelsregister. |
Zwischen Eigen- und Fremdkapital. In Deutschland die typische Frühphasen-Brückenfinanzierung — meist Wandeldarlehen.
| Form | Rechtsgrundlage | Frühphasen-Eignung & Charakter |
|---|---|---|
| Wandeldarlehen (Convertible Loan) | §§ 488 ff BGB + Wandlungsklausel | DE-Standard für Pre-Seed/Seed. Zinslauf üblich (4–8 %), Endfälligkeit, Wandlung bei Equity-Runde. |
| Wandelschuldverschreibung | § 221 AktG (nur AG) | Klassisches Wandelrecht. Setzt bedingtes Kapital voraus. Selten Pre-Seed (nur AG). |
| Optionsschuldverschreibung | § 221 AktG (nur AG) | Anleihe + abtrennbares Bezugsrecht auf Aktien. Eher Wachstums-/Bridge-Instrument. |
| Partiarisches Darlehen | vertraglich (BGB-Darlehen + Gewinnbeteiligung) | Darlehen mit Gewinnanteil statt fixem Zins. Mezzanine-tauglich, formfrei. |
| Nachrangdarlehen | §§ 488 ff BGB + § 39 InsO | Rangmäßig hinter anderen Gläubigern. In DE oft Sanierungs- oder Förder-Kontext. |
| Genussrechtskapital | vertraglich | Frei gestaltbar zwischen Equity- und Debt-Charakter (siehe Gruppe A). |
Nicht eigene Finanzierungsformen, sondern Klauseln innerhalb anderer Verträge. Verschieben Bewertung und Anteils-Erwerb in die Zeit.
| Form | Vertrags-Heimat | Auslöser & Charakter |
|---|---|---|
| Earn-out | SPA (Share Purchase Agreement) bei M&A | Kaufpreis-Anteil nach KPI-Erreichung (EBITDA, Umsatz, Mandate). M&A-Standard. |
| Milestone-Tranchen | Investorenvertrag | Investitionsschritte je nach erreichten Meilensteinen. Series A+. |
| Founder-Vesting | Gesellschaftervereinbarung | Anteile reifen über 3–4 Jahre, Cliff 1 Jahr. Pre-Seed-Standard. |
| Reverse Vesting | Gesellschaftervereinbarung | Anteile sind erworben, verfallen aber bei vorzeitigem Ausscheiden. M&A-typisch. |
| Anti-Dilution-Klausel | Investorenvertrag | Verwässerungsschutz bei Down-Rounds (Full-Ratchet vs. Weighted-Average). Series A+. |
| Liquidation Preference | Investorenvertrag | Erlös-Vorrang bei Exit (1× non-participating Standard in DE; participating und Multiplikatoren möglich). |
| VSOP (Virtual Stock Option Plan) | vertraglich, Mitarbeiter-Bonusprogramm | Synthetische Anteile als Bonus-Vehikel. Phantom Stock. DE-Standard für Mitarbeiterbeteiligung. |
| ESOP (Mitarbeiter-Aktienoption) | § 192 Abs. 2 Nr. 3 AktG (bedingtes Kapital) | Echte Aktien-Option. Setzt AG-Form voraus. Steuerlich attraktiver als VSOP, organisatorisch teurer. |
Weniger frühphasen-typisch, aber für die Vollständigkeit der Landschaft.
| Form | Rechtsgrundlage | Charakter |
|---|---|---|
| Crowdinvesting | VermAnlG, FinmadiG | Plattform-vermittelte Mezzanine-Beteiligung von Verbraucher:innen. KMU-tauglich. |
| Friends & Family Darlehen | §§ 488 ff BGB | Sehr früh, formfrei. Steuerliche Sorgfalt bei Zinssätzen. |
| Förderkredit (KfW, IBB, BayBG, ZIM) | staatliche Förderprogramme | Subventionierte Zinsen, oft an Nachweise gekoppelt. Wachstums-typisch. |
| Venture Debt | vertraglich + Sicherheiten | Bridge-Finanzierung Series A+, oft mit Warrant-Komponente. |
| Revenue-Based Financing | vertraglich | Rückzahlung als %-Anteil am Umsatz bis zum Cap. Startup-Alternative zu Convertible. |
| Factoring | §§ 398 ff BGB | Forderungsverkauf, kein klassisches Finanzierungs-Equity-Instrument. |
| Leasing / Mietkauf | vertraglich | Asset-Finanzierung statt Cash-Investment. |
Diese Konstrukte gibt es im US-Recht — wer sie 1:1 in einen deutschen GmbH- oder AG-Vertrag kopiert, läuft in juristische, steuerliche oder strukturelle Probleme. Anpassung möglich, aber Beratung Pflicht.
| US-Form | Was es ist | Hauptproblem in DE & mögliche Anpassung |
|---|---|---|
| SAFE (Pre-/Post-Money) | Vertrag auf zukünftige Equity ohne Schuldverhältnis (Y Combinator 2013/2018). | Wandlung in GmbH-Geschäftsanteile notarpflichtig — keine instant-conversion. Anpassung: Wandlung mit nächster Equity-Runde bündeln; bei AG bedingtes Kapital vorab einrichten. |
| KISS (Keep It Simple Security) | 500-Startups-Variante des SAFE mit zusätzlichen Standard-Schutzrechten (MFN, Information Rights). | Wie SAFE, plus engere Wandlungsmechanik. Anpassung erfordert juristische Übersetzung der Schutzrechte ins DE-Vertragsrecht. |
| Series Seed Convertible Preferred Stock | Standardisiertes Vorzugsaktien-Paket für Seed-Runden mit Liquidation Preference, Conversion Rights, Anti-Dilution. | DE-Vorzugsaktien (§§ 139 ff AktG) nur bei AG; bei GmbH: Geschäftsanteile mit unterschiedlichen Vorzugsrechten gestaltbar, aber komplexer. |
| LLC Membership Interests | LLC-Anteile, geregelt im Operating Agreement (frei gestaltbar, steuerlich pass-through). | DE kennt keine LLC. Nächste Form: GmbH + Gesellschaftervertrag — aber LLC-spezifische Strukturen (Capital Accounts, Distribution Waterfalls) lassen sich nur teilweise nachbilden. |
| SAFT (Simple Agreement for Future Tokens) | SAFE-Variante für Krypto-Projekte: Recht auf zukünftige Tokens. | Token-Recht in DE durch MiCAR seit 2024 stark formalisiert. SAFT-Wandlung kann eIDAS-, MAR- oder MiCAR-relevant sein. Spezialisierte Token-Beratung erforderlich. |
| Stock Options (Section 409A) | Mitarbeiteroptionen mit IRS-Bewertung des Strike Prices. | DE: VSOP / Phantom Stock ist Standard, weil echte Stock Options bedingtes Kapital + AG-Form erfordern. Section 409A-Bewertung gibt es so nicht — Strike-Price-Logik anders. |
| 83(b) Election | Steuerliche Wahl bei Reverse Vesting: sofortige Versteuerung des Anteils-Werts statt zu jedem Vesting-Datum. | Existiert in DE nicht. Vesting-Strukturen werden steuerlich anders behandelt — meist als geldwerter Vorteil bei Erwerb / Eintritt. |
| QSBS · IRC § 1202 | US-Steuerbefreiung für Qualified Small Business Stock bis 50 Mio. USD bei mindestens 5 Jahren Haltung. | DE: keine vergleichbare Befreiung. Kapitalertragsteuer + ggf. Teileinkünfteverfahren (§ 3 Nr. 40 EStG) bei Beteiligungen ab 1 % im Privatvermögen. |
| SPAC (Special Purpose Acquisition Co.) | Mantelgesellschaft an der Börse, die später ein Target via Reverse Merger erwirbt. | DE: rechtlich möglich, aber selten. Frankfurt hat einzelne SPACs gesehen; meistens werden DE-Targets über LU- oder NL-SPACs strukturiert. |
| Series A Liquidation Preference (Multiple, Cumulative) | Erlös-Vorrang mit Multiplikator (z. B. 2× participating, kumulativ). | DE: gestaltbar, aber bilanzrechtlich und steuerlich anders behandelt. Standard in DE meist 1× non-participating; Multiplikatoren in US häufiger. |
| Founders' Preferred Stock | Sonderaktien für Gründer:innen mit Wandlungsrecht in andere Vorzugsklassen. | DE bei AG: Vorzugsaktien (§§ 139 ff AktG) gestaltbar; bei GmbH: über Gesellschaftervertrag mit unterschiedlichen Geschäftsanteils-Klassen, deutlich komplexer. |
| Carry / Distribution Waterfall (Limited Partnership) | VC-Fund-Struktur: GP/LP mit Hurdle Rate, Catch-up, Carry-Anteil 20 %. | DE: möglich via GmbH & Co. KG (Standard für DE-VC-Funds). Steuerlich anders strukturiert; Carry-Besteuerung umstritten (Tax Investment Funds). |
Die deutsche Finanzierungslandschaft ist nicht ärmer als die US-amerikanische — sie ist anders strukturiert. Was im US-Recht in einem standardisierten Template verschwindet, muss in DE bewusst gestaltet werden: Notar-Termine, bedingtes Kapital, Werthaltigkeitsprüfungen, steuerliche Vorabklärungen. Wer das versteht, hat keine Wettbewerbsnachteile — nur eine andere Reihenfolge der Arbeit.