Swiss Room · Teamstudien

Die Technik steht.
Über Governance-Projekte entscheidet der Meetingraum.

Vier Regulierungen. Vier Teams. Dasselbe Muster – und wie es aufgelöst wird.

«DORA, NIS2, AI Act, ISO 27001 – in allen vier Projekten war das fachliche Wissen vorhanden. Was fehlte, war eine Struktur, die verschiedene Denklogiken produktiv macht statt destruktiv.»

Teamstudien analysieren, was in Compliance-Projekten unter der Oberfläche passiert: ungeklärte Rollen, unausgesprochene Erwartungen, nicht abgestimmte Verarbeitungslogiken. Und wie ein strukturierter Eingriff daraus ein funktionierendes Team macht.

Methodische Quelle

Das hier verwendete Modell der Vier Arbeitslogiken stammt von Sabine Müller (systemische Prozessberatung, Kooperationspartnerin im Eckhütt Eins Klausur-Programm). Es folgt der Trigon-Schule der systemischen Organisationsentwicklung (Königswieser, Hillebrand u.a., Carl-Auer-Verlag). NBK Legal wendet es im regulatorischen Kontext an. Mehr zur methodischen Grundlage: Methodik.

Vier Arbeitslogiken – eine Dynamik

In diesem Format vertreten die Beteiligten überwiegend je eine Arbeitslogik — Menschen können situativ auch mehrere verwenden. In Governance-Projekten prallen diese Logiken regelmässig aufeinander – nicht weil die Beteiligten schwierig sind, sondern weil niemand die Unterschiede benennt. Das Modell macht sie sichtbar. Und damit steuerbar. Es ist eine systemische Arbeitsheuristik, keine diagnostisch validierte Typologie.

System A

Resonanz

Fokus: Menschen, Klima, Wirkung. Fragt: Wie wirkt das auf uns? Wer ist betroffen? Wie kommunizieren wir das?

BeitragTeamfähigkeit, Change-Management, Kommunikation. Schafft den Konsens, der Entscheidungen trägt.
Typisch in diesem RaumCEO / Geschäftsführung

System B

Struktur

Fokus: Pflichten, Nachweise, Verbindlichkeit. Fragt: Was ist dokumentiert? Wer trägt die Verantwortung?

BeitragRegulatorische Genauigkeit, Verbindlichkeit, Compliance. Verhindert Lücken in Pflichten und Verantwortung.
Typisch in diesem RaumLegal / Compliance

System C

Exploration

Fokus: Ideen, Optionen, Bewegung. Fragt: Was sind die Möglichkeiten? Wie kommen wir voran?

BeitragInnovationsenergie, Optionsdenken, neue Ansätze. Verhindert vorzeitige Festlegung.
Typisch in diesem RaumDevelopment / Engineering / Produkt

System D

Tiefe

Fokus: Analyse, Abhängigkeiten, Risiken. Fragt: Was übersehen wir? Was hängt noch daran?

BeitragTechnische Präzision, Risikoerkennung, Systemdenken. Verhindert kostspielige Überraschungen.
Typisch in diesem RaumCISO / IT-Architektur

Die strukturierte Abfolge · C → D → B → A

Phase 1 · Exploration

Freies Denken

Ideen ohne Bewertung. Niemand unterbricht.

Phase 2 · Analyse

Risiken & Abhängigkeiten

Was passiert konkret, wenn wir falsch entscheiden?

Phase 3 · Struktur

Entscheidung

Pflichten klären, Prioritäten setzen, Beschluss formulieren.

Phase 4 · Kommunikation

Verbindlichkeit

Wer trägt was? Wie wird der Rest der Organisation informiert?

Welche Logik trägt welche Phase Phase 1 · Exploration Freies Denken Phase 2 · Analyse Risiken & Tiefe Phase 3 · Struktur Entscheidung Phase 4 · Kommunikation Verbindlichkeit SYSTEM C Exploration Development / Engineering SYSTEM D Tiefe CISO / IT-Architektur SYSTEM B Struktur Legal / Compliance SYSTEM A Resonanz CEO / Geschäftsleitung

Unkoordinierte Gleichzeitigkeit aller vier Logiken erzeugt Konflikte. Strukturierte Abfolge erzeugt Wirksamkeit. Die hier vorgeschlagene Reihenfolge ist eine bewährte Arbeitsheuristik, wie Entscheidungen reifen — keine zwingende oder empirisch validierte Abfolge.


Dasselbe Muster – vier verschiedene Regulierungen

Jede Teamstudie zeigt das Modell in einem anderen regulatorischen Kontext: Welcher Konflikt entstand, warum er entstand, wie er aufgelöst wurde – und was das Team danach besser konnte.

DORA SignumPay AG, Luzern · ICT-Dienstleister · 40 MA

DORA im Team: Warum Regulierungsprojekte an Teamdynamik scheitern

Das Logging-Konzept, das fast im Konflikt verschwand – und was danach entstand

Der Konflikt

Marc (IT, System D) präsentiert ein durchdachtes Logging-Konzept. Nele (Development, System C) unterbricht mit Erweiterungsideen. Maja (Legal, System B) verdreht die Augen. Elena (CEO, System A) spürt die steigende Spannung.

«Wir haben kein fachliches Problem. Wir haben ein Problem der gleichzeitigen Verarbeitung unterschiedlicher Perspektiven.»
— Externer CISO

Nach zwanzig Minuten unterbricht der CISO – nicht mit Vorwürfen, sondern mit einem Namen für das, was gerade passiert.

Das Ergebnis

  • Neles Erweiterungsideen in Marcs Konzept integriert – ohne es zu schwächen
  • DORA-Pflichten, Best Practices und optionale Elemente klar getrennt
  • Priorisierter Umsetzungsplan: sofort / 6 Monate / optional
  • Team arbeitet in allen Folgeworkshops strukturiert statt konflikthaft
  • Belastbare DORA-Architektur – und ein besseres Team
NIS2 Nextronix AG, Sursee · IoT / Kritische Infrastruktur · 92 MA

NIS2 im Team: Das Meldepflicht-Meeting, das fast eskaliert

47 Meldepunkte, ein drohender Abbruch – und wie 9 die richtige Zahl wurden

Der Konflikt

Philipp (Legal, System B) fordert eine lückenlose Meldematrix für 47 potenzielle Vorfälle. Lena (Development, System C) sieht darin operative Lähmung. Timo (CISO, System D) warnt vor Bussen und Vertrags-/Reputationsrisiken. Sandra (CEO, System A) beobachtet, wie das Team auseinanderfällt.

«Beide haben recht – und ihr redet aneinander vorbei.»
— Timo, externer CISO

Sandra stoppt das Meeting. Kein Kompromiss – eine Struktur.

Das Ergebnis

  • 9 Meldepunkte statt 47 – durch Priorisierung, nicht durch Kompromiss
  • Klare Ampel-Indikatoren mit Eskalationswegen für jeden Punkt
  • Dashboard, das den Meldestatus in Echtzeit abbildet
  • Lena: «Ich hätte nie gedacht, dass ich sage: die Meldepflicht macht Sinn»
  • NIS2 als gemeinsames Steuerungsinstrument statt regulatorische Last
AI Act Valitech Solutions AG, Rotkreuz · Predictive Maintenance · 68 MA

AI Act im Team: Das KI-Risiko-Meeting, das das Team fast zerreisst

180 Seiten Dokumentation, ein zugeklappter Laptop – und wie 7 Kerndokumente die richtige Antwort wurden

Der Konflikt

Dr. Keller (Legal, System B) fordert vollständige technische Dokumentation nach Annex IV. Sarah (ML Engineering, System C) sieht darin das Ende von Innovationsarbeit. Timo (AI-Governance, System D) warnt vor Marktzugangs-Problemen und Bussgeldern (deren Höhe von der verletzten Vorschrift abhängt). Anna (CEO, System A) muss jetzt eingreifen.

«Dann entwickle ich eben woanders – hier geht's ja nur noch um PDFs!»
— Sarah, nach zehn Minuten

Anna stoppt das Meeting. 120 Minuten später sagt Sarah: «Okay. Dann machen wir das.»

Das Ergebnis

  • 7 Kerndokumente statt 180 Seiten – aber auditfest
  • AI-Act-Roadmap: realistisch und vollständig
  • Klare Rollen für jeden Compliance-Schritt
  • Grosskunde gehalten: AI-Act-Konformität bis Q3 2026 nachgewiesen
  • KI-Governance als Produktarbeit, nicht als Bürokratie verstanden
ISO 27001 Kunz & Partner AG, Winterthur · Technologieunternehmen · 70 MA

ISO 27001 im Team: Das Budget-Meeting, das fast scheiterte

30.000 CHF verfügbar, Vorschläge für mehr – und wie eine Entscheidung entstand, die alle tragen konnten

Der Konflikt

Luca (CISO, System D) hält ein SIEM für erforderlich. Martin (IT, System C) will zuerst das Asset-Fundament. Sarah (Legal, System B) erklärt das Asset-Inventar zur Grundlage für alles. Thomas (Vorstand, System A) versteht kein Wort mehr.

«Ohne SIEM können wir die Anforderungen aus Annex A nicht erfüllen. Das ist keine Meinung, sondern Pflicht!» «Ein SIEM bringt uns gar nichts, wenn wir nicht einmal eine saubere Asset-Liste haben!»

Das Meeting steht kurz vor dem Abbruch. Sarah greift ein.

Das Ergebnis

  • 32.000 CHF freigegeben – Vorstand versteht zum ersten Mal, warum
  • Klare Reihenfolge: Asset-Tool → Penetrationstest → SIEM
  • Thomas: «Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, ich verstehe es»
  • Alle Perspectives integriert – keine Einzelkämpfer mehr
  • Team verlässt den Raum mit einer Entscheidung und mit Vertrauen

Wann Teamstudien den grössten Nutzen bringen

Vor einem Audit oder einer Zertifizierung

Wenn Lücken sichtbar sein müssen, bevor ein Prüfer sie sieht. Teamstudien klären Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungspfade – bevor die Aufsicht fragt.

Zu Beginn eines Regulierungsprojekts

Bevor Ressourcen investiert werden: Wer denkt wie? Wo entstehen die Reibungen? Ein Lagebild am Anfang verhindert kostspielige Korrekturen in der Mitte.

Wenn Meetings immer wieder feststecken

Das Muster ist erkennbar: alle sind kompetent, das Ergebnis fehlt trotzdem. Teamstudien benennen die Ursache – und geben eine Struktur, die dauerhaft funktioniert.

In Transformations- und Skalierungsphasen

Wenn ein Unternehmen wächst und informelle Koordination nicht mehr funktioniert. Oder wenn neue Regulierungen auf bestehende Strukturen treffen.


Drei Schritte zur Teamstudie

01

Situation beschreiben

Was ist der Anlass? Welche Regulierung? Welches Team? Ein kurzer Überblick reicht – keine Vorbereitung nötig.

Vor dem Gespräch · 10 Minuten

02

Analysegespräch

Strukturiertes Gespräch mit den relevanten Personen. Arbeitslogiken werden identifiziert, Reibungspunkte benannt, Entscheidungswege geklärt.

60–90 Minuten

03

Lagebild & Handlungsoptionen

Klare Darstellung der Teamdynamik, der strukturellen Lücken und priorisierter Handlungsoptionen – als Entscheidungsgrundlage, nicht als Maßnahmenkatalog.

Als Dokument oder im Folgegespräch

Werkzeuge für die Anwendung

Die Teamstudien sind Diagnose-Texte. Wer sie als Workshop-Grundlage oder zur strukturierten Selbstprüfung nutzt, findet hier zwei Begleitformate:

Analysegespräch anfragen

Schildern Sie kurz Ihre Situation – welche Regulierung, welches Team, welcher Anlass. Das Analysegespräch dauert 60 bis 90 Minuten und liefert ein konkretes Lagebild.

Gespräch anfragen

Teamstudien eignen sich auch als Grundlage für Team-Workshops und Führungskräfteentwicklung.

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