Self-Check · AI Act · CH

AI Act Self-Check (CH)

Strukturelle Reife, AI-Governance & Regulatorische Anschlussfähigkeit

10–15 Min Selbstprüfung AI Act · Schweiz

Rechtsstand: 29. Juli 2026. Orientierungs-Selbstprüfung, keine Rechtsberatung. Regulatorische Vorgaben (u. a. AI Act, NIS2-Umsetzung, DORA-RTS/ITS) können sich ändern.

Was dieser Self-Check Ihnen zeigt

AI-Act-Readiness aus Schweizer Perspektive – mit Fokus auf grenzüberschreitende Auswirkungen.

KontextEU AI Act (EU) 2024/1689
Gewichtung★★ = doppelt, ★ = einfach
Fragen26
Bearbeitungszeitca. 10–15 Min.

Zweck & Einleitung

Dieser Self-Check dient als pragmatischer Spiegel, um einzuschätzen, wie gut Ihre Organisation auf die Anforderungen des EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) vorbereitet ist.

Der Check beleuchtet Risikoklassifizierung, Governance-Strukturen, Dokumentation, Risikomanagement, Datenqualität sowie Verantwortlichkeiten als Provider oder Deployer – mit Fokus auf High-Risk-AI-Systeme (Hochrisiko-Pflichten nach dem AI-Omnibus, VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27.7.2026: Anhang III ab 2.12.2027, Anhang I ab 2.8.2028). Die Schweiz hat kein eigenes KI-Gesetz; national greift v. a. das revDSG, EU-Betroffenheit entsteht über den Marktzugang.

Wichtig

Kein offizieller Test, kein Scoring im regulatorischen Sinne, kein Benchmark. Ehrliche Selbsteinschätzung – idealerweise vor einer Konformitätsbewertung oder Prüfung. ★★-Fragen werden doppelt gewichtet. Der Check richtet sich primär an Organisationen mit High-Risk-AI-Systemen.

Schweizer Setting · Vorab-Diagnose

Der Anwendungsbereich des EU AI Act ist breiter als „Sitz in der EU": Er erfasst u. a. Anbieter, die KI-Systeme oder GPAI-Modelle in der EU in Verkehr bringen oder in Betrieb nehmen — unabhängig vom Sitz —, Provider und Deployer mit Sitz/Niederlassung in der EU, sowie extraterritorial Fälle, in denen der Output eines Systems in der EU verwendet wird (Art. 2 AI Act). Schweizer Unternehmen sind daher oft schon dann betroffen, wenn sie KI-Produkte für den EU-Markt entwickeln, bereitstellen, einsetzen oder integrieren — nicht erst über den Output. Die folgenden drei Fragen helfen, Ihre Exposition vor dem operativen Self-Check einzuordnen:

Drei Fragen zur AI-Act-Exposition

  1. Stellen Sie als Schweizer Unternehmen KI-Systeme oder GPAI-Modelle bereit, die in der EU genutzt oder in EU-Produkte integriert werden — als Provider auf eigenem Markennamen oder als White-Label-Komponente?
  2. Setzen Sie KI-Systeme ein, deren Output in der EU verwendet wird (z. B. KI-gestützte Entscheidungen für EU-Niederlassungen, EU-Kunden, EU-Bewerber, EU-Versicherungsfälle, EU-Kreditprüfungen)?
  3. Erhalten Sie von EU-Kunden Anforderungen zu Transparenz, Risikomanagement, Konformitätsbewertung oder Hochrisiko-Klassifizierung nach AI Act (insbesondere für Anwendungen in HR, Bildung, Strafverfolgung, kritischer Infrastruktur, biometrischer Identifikation)?

Wenn Sie eine oder mehr dieser Fragen mit Ja oder Tendenziell ja beantworten: Der folgende operative Self-Check ist für Sie relevant — der AI Act wirkt extraterritorial bereits dann, wenn Ihre KI-Outputs in der EU eingesetzt werden, auch ohne EU-Niederlassung. Bei reiner Inland-Tätigkeit ohne EU-Bezug ist der Self-Check zur Standortbestimmung weiterhin nützlich; verbindliche Pflichten treten in Kraft, sobald sich der EU-Bezug ergibt.

Zuerst: Welche Rolle haben Sie?

Der AI Act verteilt Pflichten nach Rolle. Provider (Sie entwickeln ein System und bringen es unter eigenem Namen in Verkehr) tragen u. a. technische Dokumentation, Konformitätsbewertung, CE-Kennzeichnung, Registrierung, Post-Market-Monitoring. Deployer (Sie setzen ein fremdes System betrieblich ein) tragen v. a. Nutzung nach Gebrauchsanweisung, menschliche Aufsicht im Betrieb, Log-Aufbewahrung, Information Betroffener und ggf. eine Grundrechte-Folgenabschätzung.
Beantworten Sie die Fragen aus der Sicht Ihrer Rolle; klar rollenfremde Fragen mit „n/a". Aber: Ein hoher Prozentwert, der vor allem durch viele „n/a" entsteht, ist nur eingeschränkt aussagekräftig — er bildet dann nur einen Ausschnitt Ihrer Pflichten ab.

Antwortoptionen

Ja · 2

Vollständig und belastbar umgesetzt, dokumentiert, gelebt und erprobt

Teilweise · 1

Vorhanden, aber lückenhaft, personenabhängig oder ungetestet

Nein · 0

Nicht oder kaum vorhanden

n/a · –

Nicht anwendbar (wird bei der Berechnung ignoriert)

Fragebogen

Klicken Sie für jede Frage auf Ja, Teilweise, Nein oder n/a. Die Auswertung erfolgt automatisch nach der letzten Frage. ★★-Fragen werden doppelt gewichtet.

Fortschritt 0 / 26
0 % beantwortet
A. Risikoklassifizierung
01
Haben Sie alle AI-Systeme systematisch auf ihre regulatorische Einordnung geprüft und dokumentiert (verbotene Praktiken nach Art. 5, High-Risk nach Art. 6/Anhang, Systeme mit Transparenzpflichten nach Art. 50, übrige Systeme)? ★★
02
Gibt es kritisches Klassifizierungswissen, das nur einzelne Personen vollständig überblicken? ★★
Umkehrfrage: Nein = gut (2 Punkte), Ja = schlecht (0 Punkte)
03
Ist dokumentiert, warum ein System (nicht) als high-risk eingestuft wurde (z. B. Annex I/III-Prüfung)? ★★
B. Governance & Management
04
Sind Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse im AI-Risikomanagement klar definiert und allen bekannt? ★★
05
Überwacht die Geschäftsführung aktiv AI-Risiken und lässt sich regelmässig schulen (AI Literacy)? ★★
06
Gibt es funktionierende Vertretungsregelungen für Schlüsselrollen in der AI-Governance?
C. Risikomanagement
07
Existiert ein kontinuierliches Risikomanagementsystem für High-Risk-AI (Identifikation, Bewertung, Mitigation über den gesamten Lifecycle)? ★★
08
Gibt es eine einheitliche, dokumentierte Logik zur Bewertung von Risiken für Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte? ★★
09
Werden bekannte und vorhersehbare Risiken (inkl. Missbrauch) systematisch minimiert? ★★
D. Daten & Training
10
Werden Trainings-, Validierungs- und Testdaten systematisch auf Qualität, Repräsentativität und Bias geprüft (Data Governance)? ★★
11
Ist dokumentiert, warum Datenanforderungen (nicht) erfüllt wurden?
E. Technische Dokumentation
12
Liegt eine vollständige technische Dokumentation vor (gem. Annex IV: Design, Daten, Risiken, Tests etc.)? ★★
13
Ist das System für Logging/Traceability ausgelegt (automatische Ereignisprotokollierung)? ★★
14
Würde ein externer Prüfer die Dokumentation ohne grosse Nachfragen verstehen?
F. Human Oversight & Robustheit
15
Ist Human Oversight (menschliche Aufsicht) effektiv im Design verankert (z. B. Interventionsmöglichkeiten)? ★★
16
Erfüllt das System Anforderungen an Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit (inkl. Adversarial Testing)? ★★
G. Konformitätsbewertung
17
Wurde eine Konformitätsbewertung (intern oder durch Notified Body) durchgeführt oder geplant? ★★
18
Liegt eine EU-Konformitätserklärung vor und ist CE-Kennzeichnung geplant? ★★
19
Ist die Registrierung in der EU-Datenbank vorbereitet? ★★
H. Deployer-Pflichten
20
Wurde eine Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA) für relevante High-Risk-Einsätze durchgeführt? ★★
21
Werden betroffene Beschäftigte vor dem Einsatz eines High-Risk-AI-Systems informiert?
21b
Werden die automatisch erzeugten Logs des High-Risk-AI-Systems, soweit sie in Ihrem Kontrollbereich liegen, über den vorgeschriebenen Zeitraum (grundsätzlich mind. 6 Monate) aufbewahrt?
22
Existiert ein Prozess zur Meldung von Risiken/Incidents an Provider und Behörden? ★★
I. Post-Market Monitoring
23
Gibt es ein System zum Post-Market-Monitoring (Vorfallsüberwachung, Korrekturmassnahmen)? Diese Beobachtungspflicht nach Inverkehrbringen trifft primär den Provider (Art. 72); als reiner Deployer ggf. „n/a". ★★
24
Könnten zentrale AI-Verantwortlichkeiten geordnet übergeben werden (ohne Wissensverlust)?
25
Bleibt die KI-Governance auch bei Ausfall einzelner Schlüsselpersonen stabil handlungsfähig (keine kritische Abhängigkeit von einzelnen Wissensträgern)? ★★

Ihr Ergebnis

Wichtige Begriffe

ProviderEntwickler/Hersteller eines AI-Systems – trägt die Hauptlast der Pflichten bei High-Risk.
DeployerNutzer/Einsatzorganisation eines AI-Systems (z. B. Unternehmen, das ein High-Risk-System einsetzt).
High-Risk-AISysteme in Annex I/III (z. B. Biometrie, Kreditscoring, kritische Infrastruktur) – erfordern Risikomanagement, Dokumentation, Konformitätsbewertung und CE-Markierung.
FRIAFundamental Rights Impact Assessment – Bewertung der Auswirkungen auf Grundrechte (für bestimmte Deployer obligatorisch).
RisikostufenRechtlich scharf abgegrenzt sind nur verbotene Praktiken (Art. 5) und High-Risk (Art. 6/Anhang); hinzu kommen Systeme mit Transparenzpflichten (Art. 50). „Limited Risk" und „Minimal Risk" sind gängige beschreibende Sammelbegriffe, keine eigenständig definierten Rechtskategorien.

KI-Compliance ist kein Dokumentationsprojekt – sie ist der Nachweis, dass Sie wissen, was Ihr System tut, warum, und was passiert, wenn es schiefläuft.

Zum passenden Format: Regulation in a Box → Vorbereitung anfragen →

Wissen prüfen

Möchten Sie Ihr Wissen zu diesem Thema testen? Die folgenden Quiz- bzw. Lernkarten-Sets decken den Stoff dieses Stücks ab — jeweils mit Erklärung nach jeder Antwort bzw. Aufdeck-Logik.

Quiz Teil 1 · Kategorie 1

10 Fragen zum AI Act — Wissensbasis vor dem Self-Check.

← Swiss Room