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Glossar Digitalrecht für Führungsteams

Die wichtigsten Abkürzungen, in einer Sitzung verstehbar

10–15 Min Referenz Alle Themen

Was diese Seite Ihnen gibt

Eine Auswahl der Abkürzungen und Begriffe, die in regulatorischen Gesprächen am häufigsten ohne Erklärung fallen — und die Führungsteams ohne IT-Hintergrund verlangsamen. Adressatengerecht erklärt: was es ist, wo es im Alltag begegnet, was es geschäftsrelevant bedeutet.

Kernaussage
Wer in einer Verwaltungsratssitzung oder einem Compliance-Gespräch nicht nachfragen will (oder kann), was eine Abkürzung bedeutet, trifft Entscheidungen über etwas, das er nicht versteht. Dieses Glossar ist die Grundausrüstung — nicht die Vertiefung. Wo Vertiefung gefragt ist, verweisen die Einträge auf die passenden Leitfäden und Einordnungen.

KI & Daten

Begriffe rund um den AI Act, Datenschutz und KI-Systeme.

BegriffVollformWas es geschäftsrelevant bedeutet
GPAIGeneral Purpose AIKI-Systeme mit allgemeinem Zweck (z.B. grosse Sprachmodelle). Eigene Pflichten im AI Act ab August 2025; bei „systemischem Risiko“ (z.B. ChatGPT-Größenordnung) zusätzliche Anforderungen.
Annex IIIAI Act Anhang IIIListe der Hochrisiko-KI-Anwendungen ausserhalb regulierter Produkte (Bildung, HR, Kreditwürdigkeit, Strafverfolgung u.a.). Anwendung ab 2. Dezember 2027 (AI-Omnibus, VO (EU) 2026/1744).
Annex IAI Act Anhang IKI in Sicherheitskomponenten von Produkten (Maschinen, Medizinprodukte u.a.). Anwendung voraussichtlich ab 2. August 2028.
DPIAData Protection Impact AssessmentDatenschutz-Folgenabschätzung. Pflicht bei hohem Risiko der Datenverarbeitung (Art. 35 GDPR / Art. 22 revDSG). Wer Profiling oder grossflächige Verarbeitung sensibler Daten plant, kommt nicht ohne sie aus.
MLOpsMachine Learning OperationsDisziplin für Aufbau, Betrieb und Monitoring produktiver KI-Systeme. Im AI-Act-Kontext relevant für Konformitätsbewertung und Logging-Pflichten.
FRIAFundamental Rights Impact AssessmentGrundrechte-Folgenabschätzung. Für bestimmte Hochrisiko-KI-Systeme von öffentlichen Stellen und Banken/Versicherungen Pflicht (Art. 27 AI Act).
ZKPZero-Knowledge ProofKryptografisches Verfahren, das den Nachweis einer Eigenschaft erlaubt, ohne die zugrundeliegenden Daten zu offenbaren (z.B. „über 18, ohne Geburtsdatum“). Eingebaut in eIDAS 2.0 / EUDI Wallet.
QES / QEAAQualifizierte elektronische Signatur / qualifizierter Attribut-NachweisQES ist der handschriftlichen Unterschrift rechtlich gleichgestellt (Art. 25 eIDAS), QEAA einer papierbasiert ausgestellten Attestierung (Art. 45). EU-weit anerkannt; ab 2026/27 über die EUDI Wallet kostenfrei verfügbar.

Cybersecurity

Begriffe aus NIS2, DORA, ISO 27001 und der Cybersecurity-Praxis.

BegriffVollformWas es geschäftsrelevant bedeutet
SBOMSoftware Bill of MaterialsVollständige Liste aller Software-Komponenten eines Produkts. Pflicht nach CRA (ab Dezember 2027). Wer SBOM nicht hat, kann bei Schwachstellen wie Log4j nicht in Stunden, sondern in Wochen reagieren.
CRACyber Resilience ActEU-Verordnung für „Produkte mit digitalen Elementen“. Pflicht zu sicherem Design, Schwachstellenmeldung, Update-Lieferung über den Lebenszyklus. Ab 11. Dezember 2027 verpflichtend.
ZTAZero Trust ArchitectureSicherheitsmodell, das von „kein Vertrauen“ ausgeht — jeder Zugriff wird verifiziert, unabhängig vom Ort. Ablösung des klassischen Perimetermodells. NIST SP 800-207 ist die Referenz.
SIEMSecurity Information and Event ManagementZentrale Sammlung und Korrelation sicherheitsrelevanter Logs. Ohne SIEM keine Vorfall-Erkennung; mit SIEM aber auch Aufwand und Fehlalarm-Risiko.
TLPTThreat-Led Penetration TestingRealistische, aufsichtlich anerkannte Angriffstests durch akkreditierte Tester. Pflicht nach DORA für grosse Finanzentitäten alle 3 Jahre.
EUCSEU Cloud Services SchemeEU-Zertifizierungsschema für Cloud-Dienste mit drei Trust-Levels (Basic, Substantial, High). Wird zunehmend Beschaffungsvoraussetzung bei öffentlichen Stellen und KRITIS-Betreibern.
CSIRTComputer Security Incident Response TeamStelle, an die Cybervorfälle gemeldet werden. In der Schweiz: BACS (vormals NCSC). NIS2 fordert Meldungen an nationale CSIRTs in der EU.
BACSBundesamt für Cybersicherheit (Schweiz)Schweizer Bundesbehörde für Cybersicherheit, seit 2024. Vorgänger: NCSC. Veröffentlicht den Mindeststandard zur Erhöhung der IKT-Resilienz, primär für KRITIS-Betreiber.
KRITISKritische InfrastrukturSammelbegriff für Versorgungseinrichtungen, deren Ausfall die öffentliche Sicherheit gefährdet (Energie, Wasser, Verkehr, Gesundheit, ICT-Infrastruktur u.a.). NIS2 zählt 18 Sektoren.

Governance & Compliance

Begriffe aus Datenschutz, Risikomanagement und Aufbauorganisation.

BegriffVollformWas es geschäftsrelevant bedeutet
ISMSInformation Security Management SystemDokumentiertes Managementsystem für Informationssicherheit, Kern von ISO 27001. Wer ISMS sagt, meint Politik + Risikoanalyse + Massnahmen + Review-Zyklus.
TOMsTechnische und organisatorische MassnahmenPflichtteil jeder Datenschutzdokumentation (Art. 32 GDPR / Art. 8 revDSG). Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, Backup-Konzepte, Schulungsprogramme.
RoPRecords of Processing (Verarbeitungsverzeichnis)Pflichtdokument nach Art. 30 GDPR / Art. 12 revDSG. Listet alle Verarbeitungen mit Zweck, Rechtsgrundlage, Daten-Kategorien, Aufbewahrungsfristen.
DPOData Protection Officer (Datenschutzbeauftragter)Pflicht für Behörden, Unternehmen mit grossflächiger Verarbeitung sensibler Daten oder umfassender Überwachung. In der Schweiz: Datenschutzberater (Art. 10 revDSG).
CISOChief Information Security OfficerVerantwortlich für die Informationssicherheits-Strategie. NIS2 verlangt persönliche Verantwortung der Geschäftsleitung — der CISO ist die Exekutive, nicht der Letztverantwortliche.
DPIAData Protection Impact AssessmentSiehe oben (KI & Daten). Methodik: Beschreibung der Verarbeitung, Bewertung der Notwendigkeit, Risiken, Massnahmen.
SoAStatement of ApplicabilityZentrales ISO-27001-Dokument, das auflistet, welche Annex-A-Massnahmen anwendbar sind und welche begründet ausgeschlossen werden. Erstes Audit-Dokument.
CTPPCritical Third-Party ProviderKritischer ICT-Drittanbieter unter DORA. Wenn so eingestuft, gilt direkte Aufsicht durch die Europäischen Aufsichtsbehörden (EBA, EIOPA, ESMA) — auch für Schweizer Provider mit grossen EU-Finanzkunden.

Resilienz & Betrieb

Begriffe aus Business Continuity, Incident Response und Recovery.

BegriffVollformWas es geschäftsrelevant bedeutet
RTORecovery Time ObjectiveMaximale Zeit, die zwischen einem Ausfall und der Wiederherstellung eines kritischen Systems vergehen darf. Geschäftsentscheidung, nicht IT-Entscheidung — bestimmt Investitionshöhe für DR-Architektur.
RPORecovery Point ObjectiveMaximaler Datenverlust in Zeit, der bei einem Ausfall toleriert wird. RPO 1 Stunde = mindestens stündliche Backups. Geschäftsentscheidung mit Backup-Investitionsfolge.
BCPBusiness Continuity PlanPlan zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs bei Störungen. Pflicht unter DORA, Empfehlung unter NIS2 und ISO 27001. Wert nur, wenn getestet.
DRPDisaster Recovery PlanTechnische Wiederherstellung der ICT-Systeme nach Ausfall. Ergänzt den BCP (Geschäft) durch die IT-Schicht. Restore-Tests jährlich Pflicht in regulierten Branchen.
BIABusiness Impact AnalysisStrukturierte Analyse, welche Prozesse wie zeitkritisch sind. Voraussetzung für sinnvolle RTO/RPO-Festlegung — sonst werden Werte gewürfelt.
IRIncident ResponseStrukturierter Prozess für den Umgang mit Sicherheitsvorfällen. NIS2 verlangt Frühwarnung 24h, Vorfallsmeldung 72h, Abschlussbericht 1 Monat. DORA: 4h Erstmeldung.
SLAService Level AgreementVertragliche Zusicherung von Verfügbarkeit, Reaktionszeit u.a. In DORA-Art.-28-Verträgen Pflichtbestandteil. „99,99 %“ klingt strenger als „99,9 %“, bedeutet aber maximal 53 Min Ausfall pro Jahr — operativ oft unrealistisch.

Plattformen & Daten

Begriffe aus DSA, DMA und Data Act.

BegriffVollformWas es geschäftsrelevant bedeutet
VLOPVery Large Online PlatformOnline-Plattform mit ≥ 45 Mio. monatlichen EU-Nutzern. Erweiterte Pflichten unter DSA: jährliche Risikoanalyse systemischer Risiken, externe Audits, Transparenzberichte.
VLOSEVery Large Online Search EngineSuchmaschine mit ≥ 45 Mio. monatlichen EU-Nutzern. Analoge Pflichten zu VLOPs.
DGAData Governance ActEU-Verordnung für die Steuerung von Datenräumen, Datenmittlern und altruistischer Datennutzung. In Kraft seit September 2023.
FRANDFair, Reasonable And Non-DiscriminatoryBedingungen, zu denen Datenzugang oder Standards angeboten werden müssen. Im Data Act Pflicht für Datennutzungsverträge zwischen Hersteller und Drittnutzern.

Dieses Glossar ersetzt keine Rechtsberatung. Es ist eine Schnellreferenz für den Alltag in regulierten Unternehmen.

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