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Digitalrecht

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10–15 Min Einstieg Recht · Digitalisierung

Was dieser Artikel Ihnen zeigt

Digitalrecht verständlich erklärt – was KMU wissen müssen.

Digitalrecht

Schweiz & EU

Kernaussage
Die EU und die Schweiz verfolgen unterschiedliche Regulierungslogiken – die EU horizontal und einheitlich, die Schweiz sektoral und technologieneutral. Für Schweizer Unternehmen mit EU-Marktanbindung bedeutet das: zwei Rechtsrahmen, erhebliche Überschneidungen und gezielte Lücken, die man kennen muss.

Einleitung

Die EU hat in den vergangenen Jahren mehrere Rechtsakte im digitalen Bereich verabschiedet, die teils horizontal, teils sektorspezifisch wirken. Die Schweiz verfügt über eigene gesetzliche Grundlagen, die in einigen Bereichen vergleichbare Funktionen erfüllen, in anderen jedoch anders ausgestaltet sind oder andere Schwerpunkte setzen.

Der folgende Überblick stellt die Regelungsansätze gegeneinander, ohne eine Bewertung vorzunehmen. Er richtet sich an Führungskräfte und Teams, die auf einen Blick verstehen müssen, wo Schweizer und europäisches Recht parallel laufen – und wo sie auseinandergehen.

1. Plattformregulierung (DSA & DMA)

EUDigital Services Act (DSA): Sorgfaltspflichten für Online-Plattformen und Vermittlungsdienste. Digital Markets Act (DMA): Wettbewerbsbezogene Vorgaben für besonders große digitale Plattformen.
SchweizKeine spezifische Plattformregulierung mit vergleichbarem Umfang. Relevante Bestimmungen im UWG, FMG und DSG.

2. Datenschutz (DSGVO – revDSG)

EUDSGVO: Einheitlicher Datenschutzrahmen mit umfangreichen Transparenz- und Betroffenenrechten. Aufsicht durch nationale Datenschutzbehörden; One-Stop-Shop-Mechanismus.
SchweizRevidiertes Datenschutzgesetz (revDSG, seit Sept. 2023): ähnliche Grundprinzipien, Unterschiede in Definitionen, Verfahren und Sanktionen. Aufsicht durch EDOB. Kein One-Stop-Shop.

3. Cybersicherheit (NIS2, CER, CRA)

EUNIS2: Cybersecurity-Mindestanforderungen für zahlreiche Sektoren. CER-Richtlinie: Resilienz physischer kritischer Infrastrukturen. CRA: Sicherheitsanforderungen für Software und vernetzte Produkte.
SchweizCybersicherheit über verschiedene Instrumente geregelt, u.a. ISG für die Bundesverwaltung. Branchenspezifische Vorgaben. Keine horizontale Cyberregulierung nach NIS2-Modell.

4. Finanzmarktregulierung (DORA)

EUDORA: Einheitlicher Rahmen für ICT-Risikomanagement im Finanzsektor. Gilt für Finanzunternehmen und ihre IKT-Drittanbieter.
SchweizFINMA-Rundschreiben regeln IKT-Risiken, Outsourcing und operationelle Risiken für beaufsichtigte Institute.

5. Datenökonomie (DGA & Data Act)

EUData Governance Act (DGA): Regelt Datentreuhandmodelle, Datenaltruismus und Datenräume. Data Act: Zugang zu und Nutzung von Daten aus vernetzten Produkten.
SchweizKein spezifisches Gesetz für Datentreuhand oder Datenzugangsrechte. Datenökonomisch relevante Fragen über Vertragsrecht und sektorale Regeln gehandhabt.

6. Künstliche Intelligenz (AI Act)

EUAI Act: Risikobasierter Regulierungsrahmen. Vier Risikoklassen. Gilt für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen mit EU-Marktbezug.
SchweizKein sektorengreifendes KI-Gesetz. Prüfung bestehender Regelungen durch den Bundesrat. Bestehende sektorale Gesetze (Medizin, Finanzmarkt) greifen partiell.

7. Digitale Identität (eIDAS 2.0)

EUeIDAS 2.0: EU-weiter Rahmen für digitale Identitäten, EUDI Wallet und Vertrauensdienste. Interoperabilität zwischen Mitgliedstaaten.
SchweizNeues E-ID-Gesetz in Vorbereitung. Nationale Lösung ohne EU-Wallet-Ansatz. Gegenseitige Anerkennung mit EUDI Wallet noch nicht geregelt.

8. Halbleiter & strategische Technologien (EU Chips Act)

EUEU Chips Act: Förderung europäischer Halbleiterproduktion. Strategische Autonomie bei Schlüsseltechnologien.
SchweizUnterstützung über bestehende Forschungs- und Förderinstrumente. Keine direkte Entsprechung.

Fazit

Die EU verfolgt einen kohärenten, horizontalen Regulierungsansatz. Die Schweiz setzt stärker auf sektorale und technologieneutrale Regulierung. Aufgrund wirtschaftlicher Verflechtung berücksichtigen Schweizer Unternehmen zunehmend EU-Anforderungen, sobald sie Dienstleistungen im EU-Markt erbringen.

Was bedeutet das für mich? 1. Kennen Sie die Regulierungsrahmen, die für Ihr Geschäft relevant sind – auf EU- und auf Schweizer Seite. 2. Wo Schweizer Recht Lücken hat, werden EU-Standards oft vertraglich eingeführt – durch Kunden- und Lieferantenanforderungen. 3. Die übrigen Leitfäden dieser Serie gehen für jede der genannten Regulierungen ins operative Detail.

Dieser Leitfaden ersetzt keine Rechtsberatung.

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